Was ist das Elterngeld Plus?

Elterngeld ist eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung nach der Geburt.

Der Deutsche Bundestag hatte im November 2014 die gesetzlichen Neuregelungen zum Elterngeld und zur Elternzeit und damit zur bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf den Weg gebracht. Das Gesetz trat am 1. Juli 2015 in Kraft. Mütter und Väter können das Elterngeld nun genau auf ihre individuellen Bedürfnisse hin zuschneiden.

Die wichtigtste Neuerung: Elternteile, die in Teilzeit arbeiten möchten, während sie Elterngeld beziehen, und dadurch ihren monatlichen Elterngeldanspruch mindern, können zum Ausgleich diesen Betrag für doppelt so viele Monate beziehen.

Das Elterngeld soll also künftig von Teilzeitbeschäftigten als Elterngeld Plus besser genutzt werden können, denn viele Mütter möchten nach der Geburt eines Kindes früher an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und zumindest schon ein wenig in Teilzeit arbeiten. Nach der gegenwärtigen Rechtlage gehen dabei Elterngeld-Ansprüche verloren.

Mit dem Elterngeld-Plus wird das anders. Wenn sich Vater und Mutter gleichzeitig für eine Teilzeitarbeit entscheiden, um sich partnerschaftlich die Betreuung ihres Kleinkindes zu teilen, gibt es sogar einen Bonus (Partnerbonus). Ebenfalls wird die Gestaltung der Elternzeit flexibler.

Was bedeutet Elterngeld Plus?

Das neue Elterngeld Plus (geregelt in § 4 Elterngeldgesetz) soll vor allem denjenigen Eltern dienen, die während ihres Elterngeldbezuges in Teilzeitarbeit arbeiten möchten.

Es handelt sich dabei um eine Erweiterung der finanziellen Gestaltungsmöglichkeit der Eltern. Sie sollen freier entscheiden dürfen, in welcher Art und welchem Umfang sie ihr Kind in den ersten Lebensjahren betreuen wollen:

1. Eltern, die nach der Geburt eines Kindes rasch wieder in den Beruf einsteigen möchten, werden durch das Elterngeld Plus besser finanziell gefördert.

2. Eltern, die sich Erwerbs- und Erziehungsarbeit für mindestens vier Lebensmonate ihres Kindes gleichberechtigt teilen, werden für diesen Zweck finanziell entlastet. Sie dürfen für diese Zeit, also länger als bisher, Elterngeld Plus in Form der neuen Partnerschaftsbonusmonate beziehen.

Die Änderungen zum 01. Juli 2015 beim Elterngeld lassen sich mit den folgenden Schlagworten umschreiben:
- Basiselterngeld,
- Elterngeld Plus und
- Partnerschaftsbonus.

Diese neuen Wahlmöglichkeiten beim Elterngeld können untereinander kombiniert werden.

Verbesserung für Teilzeitbeschäftigte

Nach der alten Rechtslage konnte ein Elternteil höchstens 12 Monate Elterngeld bekommen. Es blieb dabei unberücksichtigt, ob der Elterngeldanspruch durch eigenes Erwerbseinkommen gekürzt war. Seit dem 1. Juli 2015 greift das Elterngeld Plus: Es können aus 12 Monaten nun 24 Monate Elterngeldbezug werden: Wenn beide Eltern Teilzeit arbeiten, verbrauchen sie damit nur einen Elterngeldmonat anstatt bisher zwei Monate.

Bisher wurde das Elterngeld als Lohnersatzleistung nach der Geburt maximal 14 Monate lang gezahlt (für beide Elternteile zusammen). Bei Teilzeitarbeit können künftig bis zu 28 Monate Elterngeld bezogen werden, allerdings in der Höhe monatlich der Teilzeitbeschäftigung entsprechend reduziert. Alleinerziehende können das neue Elterngeld-Plus im gleichen Maß nutzen.

Partnerschaftsbonus

Die bisher geltende Regelung der Partnermonate bleibt bestehen. Danach haben Eltern gemeinsam Anspruch auf zwei zusätzliche Monate, wenn nicht nur ein Elternteil sein Erwerbseinkommen nach der Geburt reduziert.

Künftig gibt es einen Partnerschaftsbonus für Eltern, die gleichzeitig ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Das bedeutet: Wenn beide Elternteile für mindestens vier aufeinanderfolgende Monate zwischen 25 und 30 Stunden arbeiten, erhält jeder für vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus.

Teilen sich also Mutter und Vater die Betreuung des Kindes und arbeiten parallel für mindestens vier Monate zwischen 25 und 30 Wochenstunden, erhalten sie jeweils zusätzlich für vier Monate das Elterngeld-Plus.

Hintergrund

Etwa 60 Prozent der Mütter und Väter möchten, dass beide in gleichem Umfang arbeiten und sich partnerschaftlich um Familie und Haushalt kümmern. In der Realität können diesen Wunsch aber nur 14 Prozent der Eltern umsetzen. Das Elterngeld-Plus soll der erste Schritt zu einer Familienarbeitszeit sein.

Änderungen bei der Elternzeit

Wie schon nach der derzeit geltenden Rechtslage können Eltern bis zum dritten Geburtstag eines Kindes unbezahlt Auszeit vom Job nehmen.

Nunmehr können die Eltern zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes 24 Monate anstatt wie bisher nur 12 Monate die Arbeit unterbrechen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers hierzu muss nicht eingeholt werden.

Zudem dürfen Eltern ihre Elternzeit in drei statt bisher zwei Abschnitte teilen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers hierfür bedarf es ebenfalls nicht.

Die Frist zur Bekanntgabe der geplanten Elternzeit vom dritten bis einschließlich achten Lebensjahr des Kindes ist auf 13 Wochen ausgedehnt worden. Die Frist von 7 Wochen für die Inanspruchnahme der Elternzeit vor dem dritten Geburtstag des Kindes bleibt hingegen unverändert.

Ab dem Moment, in dem die Elternzeiterklärung beim Arbeitgeber eingegangen ist, besteht Kündigungsschutz bis zum Ablauf der Elternzeit.

Höhe

Das Elterngeld wird nach dem bisherigen Nettoeinkommen vor der Geburt berechnet und beträgt in der Regel 65 Prozent des bisherigen Verdienstes. Es beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro monatlich. Wird eine Teilzeitarbeit ausgeübt, so wird das Elterngeld entsprechend gekürzt, aber länger gezahlt.

Wirksamwerden des Elterngeld-Plus

Das Gesetz zum Elterngeld-Plus ist zum 1. Juli 2015 in Kraft getreten.

Mehrlingsgeburten

Für Eltern von Zwillingen oder Mehrlingen wird durch die neue gesetzliche Regelung klargestellt, dass pro Geburt nur ein Anspruch auf Elterngeld besteht. Der deutlich höheren Aufwand, den diese Eltern nach der Geburt haben, wird dadurch ausgeglichen, dass sie für jedes Mehrlingsgeschwisterkind einen Zuschlag von 300 Euro erhalten.

Also: Bei Mehrlingsgeburten haben Eltern nur einen Elterngeldanspruch, erhalten jedoch einen Mehrlingszuschlag von 300 Euro.

Fazit zum Elterngeld Plus

Das neue Elterngeldgesetz unterscheidet zwischen Basiselterngeld, Elterngeld Plus und den Partnerschaftsbonus. Alle neuen Varianten des Elterngeldes sind untereinander kombinierbar und ermöglichen einen Elterngeldbezug bis zu maximal 28 Monaten. Eltern, die während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten, erhalten durch die Neuregelung effektiv mehr Elterngeld.

Die Berechnung des Elterngeld Plus erfolgt prinzipiell durch Halbierung des Basiselterngeldes (mindestens 300 Euro) sowie ggf. des Mindestgeschwisterbonus von 75 Euro (bzw. des Mehrlingszuschlags).

Elterngeld Plus Beträge gibt es in zwei Varianten. Zum einen als hälftiges Basiselterngeld für Eltern ohne Zuverdienst und zum anderen für Eltern mit Zuverdienst als zusätzliches Elterngeld unter Anrechnung des Einkommens aus der Teilzeitbeschäftigung über mehr Bezugsmonate.

Darüber hinaus können Eltern, die sich Arbeit und Betreuung ihres Kindes teilen und mindestens vier Lebensmonate lang gleichzeitig 25 bis 30 Wochenstunden erwerbstätig sind, vier Partnerschaftsbonusmonate unter Anrechnung ihres Zuverdienstes beanspruchen.